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Fair Pay!

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Die Einkommenssituation im Sektor Kunst/Kultur/Freie Medien ist großflächig geprägt von Unterbezahlung bis hin zur Selbstausbeutung. Prekäre Arbeitsbedingungen, nachteilige Verträge und erwerbslose Phasen sind an der Tagesordnung. Die Verhandlungsposition von Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen ist denkbar schwach. Unter dem Schlagwort „Fair Pay“ arbeiten Künstler_innen, Kulturarbeiter_innen und ihre Interessenvertretungen seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, an einer grundlegenden Veränderung der Situation.

Gemeinsam stellen die Interessenvertretungen fest: Es muss selbstverständlich sein, ausreichend Finanzierung für Kunst und Kultur bereitzustellen, genauso wie für alle anderen Notwendigkeiten gesellschaftlicher Versorgung. Wir fordern eine Anhebung des Kunst- und Kulturbudgets auf zumindest 1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP), davon 50 % für die Freie Szene. Es muss genug da sein, um fair und angemessen zu bezahlen. Es braucht mehr Geld UND Fair Pay. Und es braucht eine Verankerung fairer Bezahlung und fairer Verträge als Förderkriterium.

Fair Pay Reader

Ein Lesebuch mit Einblick in Arbeitsrealitäten: inklusive Beispielen aus der Praxis
Ein Handbuch mit Praxisteil: Tools zur Berechnung fairer Bezahlung

(Hg. Kulturrat Österreich, Wien 2021)

Für den vorliegende Fair-Pay-Reader haben wir Interessenvertretungen eingeladen darzustellen, wie in ihren Sparten gearbeitet wird, wie die Einkommensstrukturen aussehen und welche Instrumente und Lösungsansätze entwickelt wurden und werden, um zu einer fairen und angemessenen Bezahlung zu kommen. Im Anschluss an den Text der jeweiligen Sparte sind konkrete Tools gesammelt ‒ in Form von Gehaltstabellen, Kollektivverträgen, Kalkulationshilfen oder unverbindlichen Honorarempfehlungen.

Gedruckt gibt es den Reader alsbald bei den Interessenvertretungen eures Vertrauens. Online hier.

Aussendung zur Veröffentlichung

Forum Fairness

Die aktuelle Bundesregierung bekennt sich in ihrem „Regierungsprogramm 2020-2024“ erstmals zu Fair Pay und hat unter der Federführung der zuständigen Staatssekretärin Andrea Mayer (BMKOeS) Schritte zur Entwicklung einer Fair-Pay-Strategie eingeleitet. Seit Herbst 2020 arbeiten Bund und zehn Interessenvertretungen im „Forum Fairness“ (Arbeitstreffen) zusammen.

# Begleitende Aktivitäten:

– Fair-Pay-Gap-Erhebung (Herbst 2021)

– Internationales Symposium „Fairness – Was bedeutet Fairness in Kunst und Kultur?“ (Wien/online, 30. 9. 2021)

# Einblick ins „Forum Fairness“

Fair Pay! Grundsätze und Maßnahmen

Fair Pay! Gemeinsames Grundsatzpapier der Interessenvertretungen

Die am „Forum Fairness“ beteiligten Interessenvertretungen haben ihre Grundsätze und Ziele für den Fair-Pay-Prozess insbesondere im Wirkungsbereich von Bund und Ländern als Fördergeber*innen wie folgt festgelegt:

Fair Pay!

G r u n d s ä t z e

  1. Faire Honorare, faire Gagen, faire Tarife
    Mindesthonorare, Regelhonorare, Richtwerte
  2. Faire Gehälter, faire Löhne
    Kollektivvertragsregelungen
  3. Faire Verträge
    Musterverträge, Normverträge, Rahmenverträge
  4. Faire Dienstverträge, faire Arbeitsverträge, faire Werkverträge
    Kollektivvertragsregelungen, Betriebsvereinbarungen
  5. Faire Arbeitsbedingungen
    Betriebsvereinbarungen
  6. Faire Abstandshonorarregelungen
    Mustervereinbarungen, Normvereinbarungen
  7. Faire Kommunikation
    Informationspflicht, Gleichbehandlung aller Beteiligten, Transparenz

M a ß n a h m e n

  1. Verankerung fairer Bezahlung und fairer Verträge als Förderkriterium
    Keine öffentlichen Gelder für Projekte und Einrichtungen, die auf un(ter)bezahlter künstlerischer oder kultureller Arbeit beruhen oder budgetär bedingt auf rechtlich zweifelhafte Arbeitsverhältnisse ausweichen.
  2. Erhöhung der Budgets für Kunst-, Kultur- und Medienförderung
    Anhebung der Ausgaben für Kunst und Kultur auf mindestens 1% des BIP, davon 50% für die Freie Szene, um die genannten Ziele im Sinne der Förderung von Vielfalt zu verwirklichen.
  3. Urheberinnenvertragsrecht Für einen Anspruch auf angemessene Vergütung der Nutzung (Verwertung) von urheberinnenrechtlich geschützten Werken. Rahmenverträge sollen Mindeststandards festlegen und ein Verhandeln „auf Augenhöhe“ gewährleisten.

Gemeinsam formuliert von:

Zu spartenspezifischen Umsetzungen verweisen wir auf die Empfehlungen und Forderungspapiere der einzelnen Interessenvertretungen.

Information:

Aussendungen des BMKOeS zum „Forum Fairness“

Zur sozialen Situation von Kunst/Kultur/Medien

 

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